Tanz mit dem Drama-Dreieck

von Anne Grökel


Tanz mit dem Drama-Dreieck

Wenn die Gesellschaft nicht so verstrickt wäre in diversen Rollen und jedes Individuum eigene Interessen an bestimmten Entwicklungen hätte, dann könnte alles so einfach sein.

Ist es aber nicht...

 

In letzter Zeit bin ich ungewollt viel und stark damit konfrontiert, was passiert, wenn Gruppen Dynamiken entwickeln, die Individuen dazu treiben, Dinge zu tun, die sie ohne diese Dynamiken vielleicht verurteilen würden, oder zumindest nicht tun würden. Ganz schön komplizierter Satz. Aber es ist ja auch ganz schön kompliziert.

 


Wer tanzt denn hier?

Das ist ein permanenter Tanz mit dem Drama-Dreieck. Ständig tun sich neue Täterinnen, Opfer und Retter hervor und irgendwann überblickt keiner mehr die Situation. Aber was passiert da eigentlich? 

 

Da ist zunächst einmal eine Täterin. Durch diese Person wird oder wurde jemandem Leid zugefügt. Das kann sehr unterschiedlich aussehen und natürlich auch empfunden werden. Das Leid ist ja bei den Leidenden. Niemand außer den Leidenden kann einschätzen, wie groß der Schmerz oder die Verletzung ist, nicht mal bei körperlich sichtbaren Verletzungen. Der Täter fügt möglicherweise sogar Leid zu, ohne sich dessen bewusst zu sein. 

 

Dem gegenüber steht - als die zweite Ecke des Dreiecks -  das Opfer. Damit sind die diejenigen gemeint, denen Leid zugefügt wird. Hier muss man ein bisschen aufpassen. Denn manchmal werden Personengruppen als Opfer instrumentalisiert, weil sie für eine bestimmte Rettungsaktion nützlich sind. Hier klingt die Retterin schon durch, aber dazu später. Instrumentalisierte Opfer sind oft Kinder, aber nicht nur. Und auch wenn sie instrumentalisiert werden, sind sie tatsächlich Opfer, aber möglicherweise ändert sich im Personenkreis die Täterschaft. Jetzt wird’s erst richtig kompliziert. Damit man meinen Ausführungen noch folgen kann, muss ich jetzt erstmal den Retter in den Kreis, ach nee, das Dreieck holen. 

 

Da beobachtet also jemand, wie ein Mensch einem anderen Leid zufügt und fühlt sich dadurch aufgerufen, das Opfer zu retten. Das ist die klassische Retterin.

Von Drachen, Prinzessinnen und Rittern

Warum schreib ich klassisch? Weil Märchen uns vom Ritter auf dem weißen Pferd erzählen, der die Prinzessin aus den Fängen des bösen Drachen befreit.

 

Jetzt ist natürlich die Frage, ob die Prinzessin mit dem Drachen eigentlich unglücklich ist oder der Prinz nur denkt, dass sie das ist? Vielleicht will der Prinz die Prinzessin einfach nur lieber für sich haben und gönnt sie dem Drachen nicht? Vielleicht hat die Prinzessin von dem Drachen auch nie ein Leid zugefügt bekommen, kann ihn aber irgendwie nicht leiden und weil sie Angst vor der direkten Auseinandersetzung hat, ruft sie den Prinzen um Hilfe? Vielleicht hat der Drache die Prinzessin nur entführt, weil er schon immer mal mit dem Prinzen kämpfen wollte, ihn aber anders nicht aus der Reserve locken konnte?  

 

Es ist so vielschichtig, unser Drama-Dreieck. Wer ist denn nun hier noch Täter, Opfer und Retterin? Und wem obliegt es eigentlich, das festzulegen?

Rollenreigen

Es werden so schnell Täterinnen zu Opfern und Retter zu Täterinnen, dass man mit der Analyse der Sachlage gar nicht mehr hinterher kommt. Und wenn das dann in Gruppen passiert und das Drama-Dreieck plötzlich nicht mehr nur aus drei Personen besteht, dann wird es schwer, sich daraus zu lösen, wenn man erkennt, dass man die Seiten gewechselt hat. Oft manifestieren sich Ansichten und dann ziehen die Glaubenskrieger in den Krieg, mit der festen Überzeugung, für das Gute einzustehen.

 

Und werden zu Täterinnen.  

Das Drama-Dreieck in Gruppen – und wohin es führt

Aus solchen Dynamiken können regelrechte Hexenjagden entstehen. Schließlich jagt man ja das Böse und das hat es nicht besser verdient?! Und weil es auch in einer solchen Gruppe noch ein gewisses Maß an Individualität und Diversität gibt, manche vielleicht Hemmungen haben weiterzugehen, kristallisieren sich womöglich Meinungslenker heraus, die sicherheitshalber nicht mehr alle Zahlen, Daten und Fakten transparent offenlegen, sondern lieber nur noch jene, die im Sinne der Sache sind.  

 

Diese Gruppen sind ja selbst durchdrungen von Tätern, Opfern und Retterinnen. Und jedes Mitglied hat ein ganz individuelles Interesse daran, dieser Gruppe anzugehören. Manche wollen nur jemanden schützen, manche wollen mit diesem Kampf auf Missstände aufmerksam machen, wieder andere wollen die Hexe brennen sehen. Da diese Interessen wieder so unglaublich divers sind, muss es also eine übergeordnete Parole geben, damit die Gruppe nicht vor dem Ziel auseinanderbricht.  

 

Das kann so weit gehen, dass man Fake-Fakten einstreut, um die Gruppe zusammenzuhalten. Da wird’s dann schon kriminell. Aber selbst wenn wir Fake-Fakten außer Acht lassen und nur noch Daten streuen, die den Glaubenskrieg nicht in Frage stellen, stehen wir dann noch auf der Seite der Guten? 

 

Oder jagt man einen Menschen und macht ihn damit zum Opfer? Entschuldigt man die eigene Radikalisierung damit, dass man ja für das Gute kämpft, oder frage ich mich selbst, wie es mir damit gehen würde, wenn ich auf der anderen Seite stünde? 

 

Hat die Gruppe erst Fahrt und ausreichend Radikalität aufgenommen, wird es immer schwerer, das zu bremsen. Wer will schon gern der Verräter der guten Sache werden, an die die Gruppe glaubt? Wer schwimmt schon gern gegen den Strom? 

Bitte aussteigen – aus dem Drama

Es erfordert ganz schön Mut, da den Mund aufzumachen. Aber es ist auch befreiend. Für mich war es immer befreiend, Fehler einzugestehen und einen neuen Weg zu suchen.

 

Wenn man den Mut alleine nicht aufbringen kann, dann vielleicht mit Coach? Ein Coaching hilft dabei, nicht nur einen alternativen Weg zu finden, sondern vielleicht ein ganz neues Wege-Netz und vor allem einen Perspektivwechsel. Und mir hat eine veränderte Perspektive auf solche Situationen immer die Augen geöffnet und ich konnte das Leid aller Beteiligten sehen. Denn Fakt ist, dass alle leiden, wenn der (Glaubens-)Krieg erstmal eröffnet wurde.  

 

Im Krieg gibt es nur Opfer! 


Person und Rolle im transformativen Coaching

Anne Grökel

 

Trainerin und Coach,

Assistentin in der Coaching-Ausbildung

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Monika (Freitag, 28 Januar 2022 13:52)

    Danke für den Denkanstoß, liebe Anne. Wir alle tun gut daran, sehr bewusst auf die Dynamiken der Dramen unseres Alltag zu schauen.

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